Interviewtraining
Gesamtdauer: ca. 3-4 StundenDie besten Einstellungsentscheidungen basieren nicht auf Bauchgefühl, sondern auf strukturierten Gesprächen und gezielten Fragen.
– Heute lernst du die Werkzeuge dafür.Workshop-Struktur
1Grundlagen
Arbeitsmarkt, Eignungsdiagnostik (TEV), Geschwindigkeit
2Screening
Unterlagen bewerten, Anschreiben, Zeugnisse, Telefoninterview
3Interview
A-G Leitfaden, STAR-Methode, Fragetechniken
4Auswertung
Bewertung, Beobachterfehler, AGG, Rückmeldung
Einstiegsfrage: "Wer von euch hat schon mal ein Bewerbungsgespräch geführt? Was war dabei die größte Herausforderung?"
Ziel: Erfahrungsaustausch, Erwartungen abholen.
Der Wandel im Arbeitsmarkt
ca. 15 MinutenFrüher haben sich Bewerber bei Unternehmen beworben. Heute bewerben sich Unternehmen bei Kandidaten.
– Der Paradigmenwechsel im RecruitingVom Arbeitgebermarkt zum Arbeitnehmermarkt: Gute Kandidaten haben die Wahl. Candidate Experience ist kein Nice-to-have, sondern entscheidet über Zusagen.
Was bedeutet das für Interviews?
Candidate Experience
Jeder Kontakt zählt - auch abgelehnte Bewerber sprechen über euch. Das Interview ist eure Visitenkarte.
Schnelligkeit
Gute Kandidaten sind schnell vom Markt. Lange Prozesse kosten Top-Talente.
Augenhöhe
Das Gespräch ist keine Prüfung, sondern ein gegenseitiges Kennenlernen.
Transparenz
Ehrliche Kommunikation über Rolle, Team und Herausforderungen schafft Vertrauen.
Diskussion: Wie würdet ihr euch als Bewerber fühlen wollen? Was macht ein gutes Interview-Erlebnis aus?
Aha-Effekt: "Stellt euch vor, der Kandidat hat noch zwei andere Angebote auf dem Tisch. Warum sollte er sich für euch entscheiden?"
Arbeitgeberattraktivität steigern
ca. 10 MinutenUm die Wettbewerbsfähigkeit am Arbeitsmarkt zu steigern, müssen Unternehmen nicht nur gute Fachkräfte halten, sondern auch ein attraktiver Arbeitgeber für Bewerber sein. Die Attraktivitätsfaktoren müssen an die Zielgruppen angepasst und beworben werden – zum Beispiel im Bewerbungsgespräch.
Kriterien bei der Jobauswahl & Gesprächsthemen
Quelle: Randstad Employer Brand Research 2021 | So könnt ihr für das MCN Medic Center Nürnberg werben:
Übung: "Welche dieser Punkte könnt ihr konkret im Gespräch nennen? Sammelt Beispiele aus eurem Alltag!"
Geschwindigkeit macht den Unterschied!
ca. 10 MinutenGute Bewerber sind nicht lange auf dem Markt. Deswegen ist ein schneller Prozess entscheidend für den Recruitingerfolg!
Wir benötigen in allen Prozessschritten eine durchdachte aber schnelle Rückmeldung von dir.
Der MCN-Zeitrahmen
"Vom Bewerbungseingang bis zum unterschriebenen Vertrag: maximal 2 Wochen!"
| Phase | Zeitrahmen |
|---|---|
| Bewerbungseingang → Erste Reaktion | 24 Stunden |
| Einladung zum Gespräch | Innerhalb 1 Woche |
| Feedback nach Gespräch | 3 Tage |
| Vertrag unterschrieben | Max. 2 Wochen ab Eingang |
Erfahrung: "Allein durch die Geschwindigkeit haben wir Leute reinbekommen, die sonst woanders gelandet wären."
Warum Geschwindigkeit?
Top-Kandidaten sind gefragt
Gute Bewerber haben oft mehrere Optionen und entscheiden sich für den schnellsten, professionellsten Prozess.
Wertschätzung zeigen
Schnelle Rückmeldungen signalisieren Interesse und Professionalität – langes Warten wirkt desinteressiert.
Momentum nutzen
Die Motivation des Bewerbers ist direkt nach der Bewerbung am höchsten. Nutzt diesen Moment!
Prozesskosten senken
Jede Verzögerung kostet Zeit, Ressourcen und erhöht das Risiko, dass Kandidaten abspringen.
Frage an die Gruppe: "Wie lange wartet ihr aktuell im Schnitt, bis ihr euch Bewerbungen anschaut? Wo könnten wir schneller werden?"
Mythen & Tipps in der Beurteilung von Unterlagen
ca. 15 MinutenViele verbreitete Annahmen zur Bewertung von Bewerbungsunterlagen halten einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Hier die wichtigsten Erkenntnisse:
⚠ Schreibfehler & Sauberkeit
Schreibfehler und Sauberkeit sind nicht so relevant wie oft vermutet. Heute sagt das höchstens aus, ob jemand mit KI umgehen kann. Kein Zusammenhang mit Leistung im Beruf.
⚠ Hobbies & Freizeitaktivitäten
Hobbies zeigen ebenfalls nur vernachlässigbare Zusammenhänge mit beruflich relevanten Persönlichkeitseigenschaften (z.B. Offenheit) oder Leistung im Beruf. Dies führt oft eher zur Verstärkung von Beobachtungsfehlern (Bias).
✓ Lücken im Lebenslauf
Lücken und Umorientierungen gehören dazu (Nobody is perfect) und können auch positiv bewertet werden: Erfahrung, Austausch, Changeaffinität, Selbstreflexion etc.
⚠ Länge vs. Vielfalt der Berufserfahrung
Die Länge der Berufserfahrung wird oft in den Mittelpunkt gestellt, anstelle der Vielfalt der Berufserfahrung und der tatsächlichen Aufgaben. 10 Jahre gleiche Routine ≠ 10 Jahre Entwicklung.
⚠ Führungserfahrung ≠ Führungskompetenz
Führungserfahrung allein sagt nichts über Kompetenz hinsichtlich Führung aus – Führungskommunikation, Konflikt- und Entscheidungsfähigkeit, Mitarbeiterentwicklung müssen separat geprüft werden.
Merke: Konzentriert euch auf das, was wirklich vorhersagekräftig ist: konkrete Aufgaben, nachweisbare Erfolge und die Passung zur ausgeschriebenen Stelle.
Reflexion: "Bei welchen dieser Punkte ertappt ihr euch manchmal selbst? Wie können wir uns gegenseitig darauf aufmerksam machen?"
Wie lese ich ein Anschreiben?
ca. 15 MinutenDas Anschreiben verliert an Bedeutung, kann aber wertvolle Hinweise auf Motivation und Kommunikationsfähigkeit liefern – wenn man weiß, worauf man achten sollte.
Worauf achten?
Stellenbezug
Geht der Bewerber konkret auf die Stelle und das Unternehmen ein, oder ist es ein Standardtext?
Motivation
Warum diese Stelle? Warum dieses Unternehmen? Sind die Gründe nachvollziehbar und authentisch?
Selbstdarstellung
Werden relevante Kompetenzen genannt und mit Beispielen belegt? Oder nur Floskeln?
Kommunikationsstil
Ist der Text klar strukturiert, auf den Punkt gebracht? Passt der Stil zur Position?
Warnsignale im Anschreiben
- Falscher Firmenname oder falsche Ansprechpartner (Copy-Paste-Fehler)
- Keine Verbindung zur ausgeschriebenen Stelle erkennbar
- Nur Phrasen ohne konkrete Beispiele ("teamfähig", "belastbar")
- Unrealistische Gehaltsvorstellungen oder Forderungen im Anschreiben
- Negativer Ton über frühere Arbeitgeber
Der Telekom-Test: "Tausche den Firmennamen durch 'Telekom' aus – funktioniert das Anschreiben immer noch? Dann ist es ein Copy-Paste-Text."
Übung: "Schaut euch ein Beispiel-Anschreiben an. Was fällt positiv auf? Was sind Red Flags?"
Wie lese ich Arbeitszeugnisse?
ca. 15 MinutenArbeitszeugnisse folgen einer codierten Sprache. Wer sie versteht, kann wichtige Informationen herauslesen – aber Vorsicht vor Überinterpretation.
Die Zeugnissprache verstehen
Warnsignale in Zeugnissen
- "Er/Sie war stets bemüht..." – klassische Negativformulierung
- Fehlende Aussagen zum Verhalten gegenüber Vorgesetzten/Kollegen
- Reihenfolge der Erwähnungen: Kollegen vor Vorgesetzten = Probleme mit Autorität
- "im Großen und Ganzen", "im Wesentlichen" – Einschränkungen
- Sehr kurzes Zeugnis bei langer Betriebszugehörigkeit
- Fehlendes Bedauern über das Ausscheiden, keine Zukunftswünsche
Wichtig: Zeugnisse haben begrenzte Aussagekraft. Nicht jedes Unternehmen schreibt perfekte Zeugnisse. Im Zweifel: nachfragen im Interview!
Übung: "Analysiert gemeinsam ein Beispielzeugnis. Welche Note würdet ihr vergeben? Was würdet ihr im Interview hinterfragen?"
Telefon- / Online-Interview (Optional)
ca. 30 MinutenEin kurzes Telefon- oder Videointerview kann ein effizientes Screening-Tool sein, um vor dem persönlichen Gespräch die grundlegende Passung zu prüfen.
Wann sinnvoll?
Viele Bewerbungen
Bei hohem Bewerbungsaufkommen hilft ein Kurzinterview, die Auswahl einzugrenzen.
Offene Fragen
Wenn aus den Unterlagen wichtige Informationen fehlen oder unklar sind.
Weite Anreise
Um Kandidaten und euch den Aufwand zu ersparen, falls es nicht passt.
Schnelle Rückmeldung
Ein Telefonat kann schneller organisiert werden als ein persönlicher Termin.
Struktur des Kurzinterviews (15-20 Min.)
Einstieg (2 Min.)
Begrüßung, Vorstellung, Grund des Anrufs erklären.
Motivation prüfen (5 Min.)
"Was hat Sie an der Stelle angesprochen?" "Warum möchten Sie wechseln?"
Rahmenbedingungen klären (5 Min.)
Gehaltsvorstellung, Verfügbarkeit, Arbeitszeit, besondere Anforderungen.
Fragen des Bewerbers (3 Min.)
Raum für erste Fragen zur Stelle oder zum Unternehmen.
Abschluss (2 Min.)
Nächste Schritte erklären, Zeitrahmen für Rückmeldung nennen.
Tipp: Auch im Telefoninterview gilt: Schnell zurückmelden! Idealerweise innerhalb von 3 Werktagen nach dem Gespräch.
Frage: "Nutzt ihr bereits Telefoninterviews? Wenn ja, mit welchen Erfahrungen? Wenn nein, für welche Positionen könnte es sinnvoll sein?"
Telefoninterview auswerten
ca. 10 MinutenNach einem 15-30 Min. Telefoninterview: Kurze, fokussierte Auswertung direkt im Anschluss.
Schnell-Checkliste Telefoninterview
Entscheidung dokumentieren
Einladen
Zum persönlichen Interview
Klärungsbedarf
Mit HR besprechen
Absage
Passt nicht
Wichtig: Entscheidung und kurze Begründung innerhalb von 24h an HR kommunizieren!
Der Gesprächsleitfaden A-G
ÜbersichtEin strukturiertes Interview ist fairer, vergleichbarer und professioneller. Der A-G-Leitfaden führt euch durch alle Phasen des Gesprächs.
Gesprächsvorbereitung
Fragen vorbereiten, Unterlagen sichten, Raum/Technik checken
Gesprächseinstieg & Motivation
Begrüßung, Atmosphäre schaffen, Rahmen setzen
Fragen & Erwartungsabgleich
Offene Fragen, STAR-Methode, Erwartungen erfragen
Arbeitgeberdarstellung & Benefits
Unternehmen vorstellen, Benefits kommunizieren
Gesprächsabschluss
Administrative Fragen, Resonanz erfragen, nächste Schritte
Bewertung
Notizen auswerten, Eindrücke dokumentieren
Rückmeldung
Zeitnahe Kommunikation der Entscheidung
Hinweis: Auf den folgenden Slides gehen wir jeden Schritt im Detail durch.
A Gesprächsvorbereitung
ca. 15 MinutenBereite dich angemessen auf das Interview vor – das zeigt Wertschätzung gegenüber dem Bewerber.
Vor dem Gespräch klären
→ Hier hilft eine Anforderungsanalyse hinsichtlich der Kompetenzen bzw. Qualifikationen (Rollentemplate). Nutze für alle Bewerber die gleichen Kernfragen.
→ Basierend auf den Unterlagen: Lücken, besondere Stationen, unklare Punkte.
→ Gehalt, Arbeitszeit, Benefits, Entwicklungsmöglichkeiten etc. vorbereiten.
Merke: Nimm dir für die Vorbereitung und das Interview ausreichend Zeit und sei pünktlich! Was wir vom Bewerber erwarten, darf der Bewerber auch von uns erwarten.
Checkliste: Video-Interview
Technik-Check
Stelle einige Minuten vorher sicher, dass Mikrofon, Kamera und Licht einsatzbereit sind.
Professioneller Hintergrund
Nutze einen der Unternehmens-Hintergründe (MS Teams) für ein professionelles Auftreten.
Checkliste: Live-Interview
Raum & Material
Organisiere rechtzeitig einen geeigneten Raum, Getränke und ggf. Anschauungsmaterial.
Erreichbarkeit
Sei kurz vor dem Interview telefonisch erreichbar für kurzfristige Änderungen.
Mobiltelefon auf lautlos! Stelle sicher, dass du während des Gesprächs nicht gestört wirst.
B Gesprächseinstieg & Motivation
ca. 15 MinutenDu bist in diesem Fall das Aushängeschild des Unternehmens – agiere entsprechend!
Gesprächseinstieg
Motivation erzeugen
Rahmen setzen
Gib einen Gesprächsüberblick. Kündige an, wann die Fragen des Bewerbers beantwortet werden.
Atmosphäre schaffen
Echtes Interesse zeigen, Erwartungen erfragen, Verständnis für Nervosität zeigen.
Wichtig: Keine Stresssituation absichtlich erzeugen! Getränke anbieten. Gepflegtes Erscheinungsbild. Der Kandidat soll sich öffnen können.
C Fragen & Erwartungsabgleich
ca. 20 MinutenFragetechniken
Erwartungsabgleich
Versuche herauszufinden, welche Erwartungen und Bedürfnisse beim Bewerber im Vordergrund stehen (Arbeitsplatzsicherheit, monetäre Aspekte, Anerkennung, Image, etc.) – und versuche mit unserem Angebot daran anzuknüpfen.
Beispielfrage: "Auf was legst du bei deinem neuen potenziellen Arbeitgeber besonderen Wert?"
Wichtig
Zeit für Bewerberfragen
Gib dem Bewerber ausreichend Zeit, seine Fragen zu stellen!
Detaillierte Notizen
Mache dir Notizen zu Aussagen/Zitaten: "Wir sind eine … Organisation", "Ich verstehe Führung als…"
D Arbeitgeberdarstellung & Benefits
ca. 15 MinutenNutze die Chancen während des Gesprächs, positive Eindrücke zu hinterlassen – ohne "verkäuferisch" zu wirken. Realität und Transparenz stehen an erster Stelle.
Positive Eindrücke hinterlassen durch:
Unternehmensvorstellung
Global agierend, Nachhaltigkeit, Werte, Strategie, Zukunftsvision
Lokale Benefits
Auf den Bewerber zugeschnitten: Mobiles Arbeiten, Kantine, JobRad, Altersvorsorge, etc.
Jobvorteile
Aufgabe, Gestaltungsfreiheit, Kolleginnen und Kollegen, Führung, Onboarding
Wichtig: Versprich nichts, das nicht gehalten werden kann! Sei ehrlich bei Themen wie Gehaltseingruppierungen, Wochenstundenerhöhungen, Karrieremöglichkeiten etc.
Übung: "Erstellt in Kleingruppen einen 2-Minuten-Pitch eurer Unternehmens-Benefits. Was macht uns als Arbeitgeber attraktiv?"
E Gesprächsabschluss
ca. 10 MinutenAdministrative Fragen klären
Resonanz erfragen
Frage: "Wie hast du unser Gespräch erlebt?" – Gibt wertvolles Feedback und zeigt Interesse.
Abschluss
Weiteren Prozess erklären
Wann kommt die Rückmeldung? Was ist der nächste Schritt? Wer meldet sich?
Kandidat soll nachdenken
Der Kandidat soll sich auch nochmal Gedanken zur Passung machen.
Optional: Visitenkarte für telefonische Rückfragen übergeben. Kandidaten danken & freundliche Verabschiedung.
Was gilt es generell zu beachten?
ca. 10 MinutenJeder Bewerber ist ein Multiplikator (positiv & negativ). Der Gesprächsanteil sollte ca. 80% beim Bewerber und 20% bei dir liegen. Gib dem Bewerber die Möglichkeit, sich zu zeigen.
Vermittle immer ein realistisches Bild der Stelle und des Unternehmens. Übertriebene Versprechen führen zu Enttäuschung und Frühfluktuation.
Teilzeitwunsch ist kein offizieller Absagegrund und kann als Diskriminierung ausgelegt werden.
Im Gespräch sollten keine Einstellungszusagen oder Eingruppierungszusagen ohne HR erfolgen! Stimme mit HR ab, wann und wer zu- oder absagt.
Warnsignale in Antworten
= vage, nicht konkret
= versteckt sich hinter dem Team
= Konfliktpotenzial
Empfehlung: Plane direkt nach dem Zweitgespräch Zeit für eine Rücksprache mit dem HR-Manager ein, um das Interview zu besprechen und zeitnah Rückmeldung geben zu können.
Rechtliche Grenzen im Interview
ca. 10 MinutenAGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz): Niemals diskriminieren nach Rasse, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. Verstöße können teuer werden!
Unzulässige Fragen
Aber: Was der Bewerber freiwillig erzählt, dürft ihr hören. Ihr dürft nur nicht aktiv danach fragen!
- Führerschein erforderlich → Frage nach Führerschein erlaubt
- Körperliche Belastbarkeit → Frage nach Hebefähigkeit erlaubt
- Sprachkenntnisse → Frage nach Sprachen erlaubt
Datenschutz: Bewerbungen nur über Personio! Keine Weitergabe per Mail oder WhatsApp. Strafe bei Verstößen: bis zu 4% des Jahresumsatzes!
Herausfordernde Situationen
ca. 25 MinutenKandidat redet zu viel
Kandidat gibt nur knappe Antworten
Kandidat weicht aus
Kandidat ist offensichtlich nervös
Rollenspiel (falls Zeit)
Aufgabe: In Dreiergruppen: Interviewer, Kandidat, Beobachter. Führt ein 10-minütiges Mini-Interview durch. Wechselt die Rollen.
Probetag / Probearbeiten (Optional)
ca. 15 MinutenEin Probetag bietet beiden Seiten die Möglichkeit, die Zusammenarbeit im echten Arbeitsumfeld zu testen – besonders sinnvoll bei Schlüsselpositionen.
Was sollte der Kandidat an diesem Tag tun?
Typische Aufgaben bearbeiten
Realistische Arbeitsproben aus dem Tagesgeschäft – keine künstlichen Tests.
Team kennenlernen
Gemeinsames Mittagessen, Gespräche mit zukünftigen Kollegen.
Arbeitsumfeld erleben
Räumlichkeiten, Tools, Prozesse – ein realistischer Eindruck.
Fragen stellen
Der Kandidat soll offene Fragen klären können.
Systematische Auswertung
| Kriterium | − | ○ | + |
|---|---|---|---|
| Fachliche Aufgabenbewältigung | □ | □ | □ |
| Teaminteraktion / Kommunikation | □ | □ | □ |
| Eigeninitiative / Fragen stellen | □ | □ | □ |
| Kulturelle Passung (Teamfit) | □ | □ | □ |
| Umgang mit Feedback | □ | □ | □ |
Feedback vom Team einholen
Kurze Runde mit den Kollegen: "Wie war euer Eindruck? Könntet ihr euch die Zusammenarbeit vorstellen?"
Abschlussgespräch mit Kandidat
"Wie hat dir der Tag gefallen? Hast du noch Fragen? Kannst du dir vorstellen, hier zu arbeiten?"
Rechtlich beachten: Bei längeren Probearbeiten (mehr als ein Tag) unbedingt mit HR klären – es können arbeitsrechtliche Aspekte relevant werden!
Tools und Techniken der Interviewführung
ÜbersichtVerschiedene Techniken und Instrumente unterstützen dich dabei, die Eignung einer Person zu beobachten und zu bewerten.
Fragetechniken
4 Fragetypen gezielt einsetzen
Aktives Zuhören
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold
Beobachtung & Bewertung
Trennung ist entscheidend
Hinweis: Auf den folgenden Slides gehen wir jedes Werkzeug im Detail durch.
Eignungsdiagnostik: Was prüfen wir?
ca. 20 MinutenEin strukturiertes Interview prüft vier Bereiche - jeder hat seinen eigenen Fokus und seine eigenen Methoden.
1 Qualifikation & Erfahrung
Bringt der Kandidat die relevanten praktischen Erfahrungen und das erforderliche konzeptuelle Wissen für die neue Funktion mit?
→ Lebenslauf, Zeugnisse, Zertifikate prüfen
Entwickelbar durch Training & Erfahrung
2 Kompetenzen
Entspricht das gegenwärtige Kompetenzprofil den Erwartungen? (Gegenwärtiges Niveau der Denk- und Handlungsmuster)
→ STAR-Methode für verhaltensbasierte Fragen
Entwickelbar durch Übung & Feedback
3 Persönlichkeit
Welche individuellen berufsbezogenen Motive, Werte und Eigenschaften sowie typische Verhaltenstendenzen zeichnen den Kandidaten aus?
→ Reflektorische & situative Fragen
Relativ stabil – schwer veränderbar
4 Potenzial
Wie ist die Obergrenze der individuellen Lernfähigkeit bezüglich des zukünftigen Kompetenzniveaus zu bewerten?
→ Fragen zu Lernagilität & Entwicklung
Relativ stabil – kaum veränderbar
Wichtig: Qualifikation allein reicht nicht! Ein Kandidat kann alle Zertifikate haben, aber trotzdem nicht ins Team passen oder die praktische Kompetenz fehlt.
Diskussion: "Überlegt: Hattet ihr schon mal einen Kollegen, der auf dem Papier perfekt war, aber es dann doch nicht funktioniert hat? Was hat gefehlt?"
Beispielfragen pro Dimension
ca. 10 MinutenJede Dimension erfordert andere Fragetypen. Hier siehst du, wie du gezielt Informationen zu jeder Kategorie erhältst.
1 Qualifikation & Erfahrung
- "Wie haben sich deine Aufgaben bei Firma X im Laufe deiner Tätigkeit gewandelt?"
- "Welche Zertifizierungen hast du im Rahmen deiner Projektleitertätigkeit erworben?"
- "Welche Programmiersprachen beherrschst du?"
2 Kompetenzen
- "Nenne eine Situation, in der du die Erwartungen deiner Kunden übertroffen hast."
- "Schildere eine Situation, in der du deine individuellen Ziele zurückstellen musstest, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen."
- "Was war das Ergebnis?" (STAR)
3 Persönlichkeit
- "Was motiviert dich?"
- "Welche Werte kennzeichnen dein Verhalten?"
- "Was dürfte in einem neuen Job nicht passieren?"
- "Was stresst dich? Was können andere dann beobachten?"
4 Potenzial
- "Wann hast du das letzte Mal jemanden auf emotionaler Ebene überzeugen müssen?"
- "Was hast du in den vergangenen zwei Jahren getan, um deine Fähigkeiten weiterzuentwickeln?"
- "Wie könnten die Ergebnisse deiner Arbeit in anderen Kontexten angewendet werden?"
Tipp: Qualifikations-Fragen lassen sich aus dem Lebenslauf ableiten. Für Kompetenz, Persönlichkeit und Potenzial brauchst du das Interview!
Übung: Welche Kategorie?
ca. 10 MinutenAufgabe: Frau Mustermann wird beschrieben. Ordne jede Aussage einer der vier Kategorien zu: Qualifikation, Kompetenz, Persönlichkeit oder Potenzial.
Beschreibungen von Frau Mustermann
Das TEV-Modell: Talent, Erfahrung, Verhalten
ca. 15 MinutenTEV ist ein strukturiertes Modell zur Bewertung von Bewerbern anhand von drei Dimensionen – mit einem entscheidenden Unterschied: Nicht alles ist entwickelbar!
Talent / Potenzial
Nicht entwickelbarWas bringt die Person mit?
- Natürliche Stärken und Begabungen
- Lernfähigkeit und Entwicklungspotenzial
- Intelligenz, Kreativität, analytisches Denken
- Intrinsische Motivation und Antrieb
Erfahrung
EntwickelbarWas hat die Person bereits getan?
- Fachliche Laufbahn & bisherige Positionen
- Praxiswissen aus konkreten Situationen
- Projekterfahrungen und Branchenkenntnis
- Beeinflusst nur die Einarbeitungszeit
Verhalten / Werte
Nicht entwickelbarWie handelt und entscheidet die Person?
- Persönliche Werte, Haltung und Integrität
- Umgang mit Konflikten und Verantwortung
- Reaktion auf Feedback und Stress
- Passung zur Unternehmenskultur
Kernaussage: Stelle nach Talent und Werten ein – Erfahrung kann jeder sammeln. Aber Persönlichkeit und Potenzial verändern sich nicht im Job.
Diskussion: "Was wiegt bei euren Einstellungsentscheidungen bisher mehr: Erfahrung oder Persönlichkeit? Und wie sollte es sein?"
Die STAR-Methode (zu Phase C)
ca. 20 MinutenVergangenes Verhalten ist der beste Prädiktor für zukünftiges Verhalten.
– Das Fundament verhaltensorientierter InterviewsSituation
Kontext und Hintergrund klären
Task
Verantwortung und Ziel erfassen
Action
Konkretes Handeln erfragen
Result
Ergebnis und Learnings
Gruppenarbeit: STAR-Fragen entwickeln
Aufgabe (10 Min): Entwickelt in Kleingruppen je 2 STAR-Fragen für: Teamfähigkeit, Problemlösungskompetenz, Umgang mit Stress/Druck
Wichtig - Nachhaken! Wenn Kandidaten vage bleiben ("Wir haben dann..."), konkret nachfragen: "Was genau hast DU dabei gemacht?"
Die 4 Fragetypen im Interview
ca. 15 MinutenGrundsätzlich werden vier verschiedene Arten von Fragen unterschieden – jede mit eigenem Fokus und Zweck.
Biografische Fragen
Fokus auf frühere berufliche Erfahrungen und persönlichen Hintergrund.
Situative Fragen
Fokus auf den Umgang mit schwierigen Situationen – unter Einsatz der STAR-Methode.
Reflektorische Fragen
Fokus auf Einstellungen, Werte, Motivation und Selbstreflexion. Hinterfragen gesellschaftlich erwünschte Antworten.
Analytische Fragen
Konzentrieren sich auf die Analyse von kleinen, realen Fallstudien. Der Interviewer steigt tiefer ins Thema ein.
Tipp: Kombiniere die Fragetypen! Starte biografisch, gehe situativ in die Tiefe, hinterfrage reflektorisch und teste analytisch.
Der Fragetrichter im Gesprächsverlauf
ca. 10 MinutenDurch unterschiedliche Fragen lässt sich der Informations- und Konkretisierungsgrad im Gespräch steuern.
Beginn – Aktivierung und Interesse bekunden
Antworten konkretisieren, Informationen vertiefen
Aussagen eingrenzen und fokussieren
Ende – Konkretisieren, Ergebnisse festhalten
Öffnend
"Erzähl mir von..." / "Wie hast du..." / "Was war deine Rolle bei..."
Schließend
"War das erfolgreich?" / "Hast du das alleine gemacht?" / "Würdest du das wieder so machen?"
Aktives Zuhören
ca. 15 Minuten"Die Natur hat uns nur einen Mund, aber zwei Ohren gegeben, was darauf hindeutet, dass wir weniger sprechen und mehr zuhören sollten."
– Zenon von EleaWie funktioniert aktives Zuhören?
Verbalisieren
- Positive Intonation
- Ruhige Stimmlage
- "ah", "hm hm", "ja" nutzen
Paraphrasieren
- Das Gesagte mit eigenen Worten wiedergeben
- Ohne Interpretation oder Wertung
Emotionen spiegeln
- Auf Stimmung/Emotionen eingehen
- In eigene Worte fassen
6 Regeln des aktiven Zuhörens
Wichtig: Die eigene Meinung und eigene Erfahrungen zurücknehmen und "nur" aktiv zuhören ist anstrengend und kostet Konzentration!
Beobachtung vs. Bewertung trennen
ca. 15 MinutenGrundlegende Prinzipien: Beobachtungen sollten neutral und unvoreingenommen sein. Die Trennung zwischen Beobachtung und Bewertung ist entscheidend!
Beobachten
Höre genau zu. Sammle Informationen (Zitate, Verhaltensweisen, Ergebnisse, Reaktionen).
Beschreiben
Beschreibe das beobachtete Verhalten präzise. Notiere Zitate, Beispiele, Wahrnehmungen.
Bewerten
Verknüpfe die Beobachtungen mit relevanten Dimensionen. Nutze Verhaltensanker.
Checkliste für gute Beobachtung
Merke: Eine gute Beobachtung ist beschreibend ("sagt...", "tut..."), nicht bewertend ("ist...", "kann...").
Übung: Beobachtung oder Bewertung?
ca. 10 MinutenAufgabe: Entscheide für jede der folgenden Beschreibungen eines Mitarbeiters, ob es sich um eine Beobachtung oder eine Bewertung handelt.
Fragetechniken im Interview
ca. 15 Minuten| Frageart | Beispiel | Wirkung | |
|---|---|---|---|
| Offene Fragen | "Wie bist du dabei vorgegangen?" | Fördert ausführliche Antworten | Empfohlen |
| Geschlossene Fragen | "Hast du Erfahrung mit SAP?" | Kurze, präzise Antworten | |
| Konkretisierende Fragen | "Kannst du das an einem Beispiel erklären?" | Vertiefung, Überprüfung | Empfohlen |
| Suggestivfragen | "Du arbeitest doch sicher gern im Team?" | Legt Antwort in den Mund | Vermeiden |
| Hypothetische Fragen | "Was würdest du tun, wenn...?" | Zeigt nur Wissen, nicht Können | Vorsicht |
Goldene Regel: Offene Fragen stellen + mit STAR konkretisieren. Hypothetische Fragen vermeiden – fragt nach realen Situationen!
Übung: Umformulieren
Formuliert die folgende Suggestivfrage um in eine offene STAR-Frage:
"Sie sind doch bestimmt stressresistent?"
F Bewertung
ca. 15 MinutenDie wichtigste Regel: Trenne die Beobachtung (Was sagt/tut der Kandidat?) von der Bewertung (Was bedeutet das?).
| Beobachtung (neutral) | Bewertung (interpretiert) |
|---|---|
| "Kandidat beschreibt Konflikt ohne Lösung" | "Hat keine Konfliktlösungskompetenz" |
| "Antwortet mit 'Wir haben...' statt 'Ich habe...'" | "Versteckt sich hinter dem Team" |
| "Nennt konkrete Zahlen und Ergebnisse" | "Ist ergebnisorientiert" |
Tipps für gute Bewertung
Direkt dokumentieren
Notizen direkt nach dem Gespräch machen, solange die Eindrücke frisch sind.
Mehrere Perspektiven
Bei mehreren Interviewern: erst einzeln bewerten, dann vergleichen.
Wichtig: Bewerte anhand der vorab definierten Kriterien, nicht nach Bauchgefühl. Nutze eine Bewertungsmatrix!
Interview-Auswertungsvorlage
ca. 15 MinutenNutze diese Vorlage direkt nach dem Interview, um deine Beobachtungen strukturiert festzuhalten.
1. Meine Beobachtungen
2. Schnellbewertung
TEV-Einschätzung
DISG-Einschätzung
Tendenz markieren
Hinweis: DISG ist eine grobe Einschätzung zur Kommunikation – keine Eignungsbewertung! TEV zeigt die Kernbereiche der Beurteilung.
Beobachterfehler: Die 4 Kategorien
ca. 20 MinutenUnser Gehirn nimmt Abkürzungen – das führt zu systematischen Fehlern bei der Beurteilung. Wenn du sie kennst, kannst du gegensteuern!
1 Bewertungseffekte
- Milde-Effekt
- Strenge-Effekt
- Tendenz zur Mitte
2 Wahrnehmungsfehler
- Implizite Persönlichkeitstheorien
- Halo-Effekt
- Sympathie-Effekt
- Stereotype
3 Reihenfolgeeffekte
- Primacy-Effekt
- Recency-Effekt
- Bezugsrahmen
4 Zufallsfehler
- Stimmungseffekte
- Umgebungseffekte
Hinweis: Auf den folgenden Slides gehen wir jede Kategorie im Detail durch.
1. Bewertungseffekte
ca. 10 MinutenMilde-Effekt
Eine Person wird zu positiv bewertet.
- Beobachter will ersten Eindruck nicht gefährden
- Relativ niedrige Leistungsstandards
Strenge-Effekt
Eine Person wird zu kritisch bewertet.
- Beobachter will ersten Eindruck nicht ändern
- Relativ hohe Leistungsstandards
Tendenz zur Mitte
Eine Person wird neutral bewertet; Extreme werden vermieden.
- Beobachter ist nicht sicher
- Will Bewertung nicht begründen
Tipp: Nutze eine Bewertungsmatrix mit klaren Verhaltensankern für jede Stufe. Das zwingt zu differenzierter Bewertung.
2. Wahrnehmungsfehler
ca. 15 MinutenImplizite Persönlichkeitstheorien
Jeder nutzt Annahmen, um Menschen schnell einzuordnen. Diese beeinflussen unsere Wahrnehmung.
Halo-Effekt
Ein positives Merkmal überstrahlt alles andere. Ist der erste Eindruck positiv, schreiben wir weitere positive Eigenschaften zu.
Sympathie-Effekt
Der Gesamteindruck wird stark von gegenseitiger Sympathie beeinflusst. Sympathische Personen werden besser bewertet.
Stereotype
Wir neigen dazu, bestimmten Gruppen gewisse Eigenschaften zuzuschreiben.
Gegenmittel: Mehrere Interviewer mit unterschiedlichen Hintergründen einsetzen. Bewertung erst nach dem Gespräch, nicht währenddessen.
3. Reihenfolge- & 4. Zufallseffekte
ca. 10 MinutenReihenfolgeeffekte
Primacy-Effekt
Die zuerst erhaltene Information hat überproportional starken Einfluss.
Recency-Effekt
Das zuletzt Gehörte bleibt durch starke Präsenz im Gedächtnis.
Bezugsrahmen
Die Bewertung erfolgt immer im Vergleich zu anderen Kandidaten.
Zufallseffekte
Stimmungseffekte
Persönliche und externe Faktoren beeinflussen unsere Stimmung. Wir bewerten positiver, wenn wir guter Stimmung sind (und umgekehrt).
Umgebungseffekte
Die Umgebung beeinflusst die Bewertung. Ein dunkler, trister Raum oder eine laute Umgebung können negativen Einfluss haben.
Tipp: Auf Standardisierung der Gespräche achten (gleiche Länge, Fragen, Reihenfolge). Bewertung einzeln, dann vergleichen.
Beobachterfehler vermeiden
ca. 10 MinutenDo's
- Mit Potenzial- und Kompetenzmodell vertraut machen
- Beobachtungsfokus: Was sagt oder tut jemand?
- Zitate mitschreiben
- Mimik und Gestik beschreiben
- Auf Passung von Sprache und Körpersprache achten
- Wirkungen mit Begründungen festhalten
- Hypothesen durch weitere Fragen überprüfen
- Gespräche standardisieren für Vergleichbarkeit
Don'ts
- Hohe Redeanteile des Interviewers
- Unterschiedliche Dauer und Durchführung
- Nur geschlossene Fragen stellen
- Sich vorab nicht mit Anforderungen vertraut machen
- Keine Notizen machen
- Bewertung während des Gesprächs
- Bauchgefühl über Kriterien stellen
Merke: Strukturierte Interviews mit klaren Kriterien, mehreren Interviewern und zeitnaher Dokumentation sind der beste Schutz vor Beobachterfehlern!
G Rückmeldung an Kandidaten
ca. 15 MinutenHinweis: Die folgenden Empfehlungen sind Richtwerte. Beachte immer die spezifischen Firmenprozesse!
Feedback Negativ (Absage)
Schriftliche Absage aus SmartRecruiters (Versender: HR Manager)
- Telefonische Rückmeldung durch den HR Manager (Wertschätzung!)
- Feedback erfolgt ausschließlich vom HR Manager (mündlich – aus rechtlichen Gründen)
- Zusätzlich standardisierte Absage-Email aus SmartRecruiters
Feedback Positiv (Zusage)
- HR Manager bespricht Konditionen mit dem Kandidaten und schickt diese zu
- Vertrag erstellen und versenden
- Hiring Manager erhält Rückmeldung von HR bei Vertragsunterschrift
Denk daran: Auch abgelehnte Bewerber sprechen über ihre Erfahrung – positiv oder negativ. Eine professionelle Absage stärkt das Arbeitgeber-Image.
Rechtliche Grundlagen (AGG)
ca. 15 MinutenDas AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz) schützt Bewerber vor Diskriminierung. Verstöße können zu Schadensersatzforderungen führen!
Geschützte Merkmale (§1 AGG)
Zulässige vs. unzulässige Fragen
| Unzulässig | Zulässige Alternative |
|---|---|
| "Planen Sie Kinder?" | "Kannst du die Stelle in Vollzeit ausüben?" |
| "Wie alt sind Sie genau?" | "Hast du mind. 5 Jahre Berufserfahrung?" |
| "Sind Sie schwanger?" | Nie zulässig! |
| "Welcher Religion gehören Sie an?" | Nur bei konfessionellen Arbeitgebern relevant |
Faustregel: Nur Fragen stellen, die direkt mit den Anforderungen der Stelle zusammenhängen. Im Zweifel: Nicht fragen!
Achtung: Auch "harmlose" Small-Talk-Fragen können problematisch sein! "Woher kommt dein Akzent?" oder "Bist du verheiratet?" sind tabu.
Unzulässige Fragebereiche im Detail
ca. 10 MinutenFolgende Fragebereiche sind in der Regel unzulässig und können vom Bewerber wahrheitswidrig beantwortet werden – ohne Konsequenzen für ihn!
Schwangerschaft
Selbst bei bestehendem Beschäftigungsverbot nicht zulässig!
Familie
Heiratsabsichten, intime Beziehungen, Familienplanung
Alter & Gesundheit
Bei keinem berechtigten Interesse für die Stelle
Vermögensverhältnisse
Wenn für Tätigkeit nicht von Bedeutung
Vorstrafen / Führungszeugnis
Nur bei stellenrelevanter Notwendigkeit
Religion / Partei / Gewerkschaft
Privatsache des Bewerbers
Schwerbehinderung
Allenfalls zulässig, wenn bestimmte körperliche oder geistige Fähigkeiten für die Ausführung zwingend erforderlich sind
Grundsätzlich gilt: Keine Fragen zu Themen, die NICHT im Anforderungsprofil definiert sind!
Übung: Welche Fragen sind erlaubt?
ca. 10 MinutenSzenario: Vertriebsleiter mit gelegentlicher Reisetätigkeit in Europa
Diskutiert in der Gruppe: Welche dieser Fragen sind zulässig, welche nicht?
| Frage | Zulässig? |
|---|---|
| "Wie alt bist du?" | Nicht zulässig |
| "Beabsichtigst du, eine Familie zu gründen?" | Nicht zulässig |
| "Was sind deine Hobbies?" | Nicht zulässig |
| "Hast du mal Leistungssport gemacht?" | Nicht zulässig |
| "Was macht dein Partner / deine Partnerin?" | Nicht zulässig |
| "Was machst du mit deinen Kindern, wenn du auf Geschäftsreise bist?" | Nicht zulässig |
| "Was sind deine Werte oder Motive, nach denen du lebst?" | Zulässig |
| "Nimmst du Drogen?" | Nicht zulässig |
| "Hast du einen Führerschein?" | Zulässig* |
*Führerschein: Zulässig, sofern im Anforderungsprofil für die Stelle enthalten (z.B. bei Reisetätigkeit).
Förderung von Vielfalt: Chancengleichheit beginnt bereits im Interview – ungeachtet von Geschlecht, Alter, ethnischer Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität.
Datenschutz bei Bewerbungsunterlagen
ca. 10 MinutenBewerbungsunterlagen enthalten sensible personenbezogene Daten. Der korrekte Umgang ist gesetzlich vorgeschrieben und schützt sowohl Bewerber als auch das Unternehmen.
Bewerbungen sollten ausschließlich über das Recruitingsystem eingehen, um das nötige Einverständnis der Kandidaten zu erhalten.
Das Unternehmens-Tooling bietet alle Möglichkeiten, um Bewerbungen und Beurteilungen sicher zu teilen.
Um gesetzliche Löschfristen in Bezug auf personenbezogene Daten einhalten zu können. Ausgedruckte Unterlagen rechtzeitig und datenschutzkonform vernichten!
Alle Informationen über den Bewerber und die Bewerbung sind strikt vertraulich und nur mit den im "Hiring Team" involvierten Personen zu teilen.
Schriftverkehr mit Bewerbern erfolgt ausschließlich über das Recruitingsystem, um allen Beteiligten alle Informationen zur Verfügung zu stellen.
Interne Kandidaten: Der Bewerber ist aufgefordert, seine aktuelle Führungskraft vor dem 2. Interview über die Bewerbung zu informieren. Du als Hiring Manager darfst nicht ohne Abstimmung auf den aktuellen Vorgesetzten zugehen!
Merke: Datenschutzverstöße können zu erheblichen Bußgeldern führen. Im Zweifel immer mit HR oder dem Datenschutzbeauftragten klären!
Workshop-Abschluss
ca. 15 MinutenKey Takeaways
- Struktur: Nutzt den A-G-Leitfaden für konsistente Interviews
- STAR: Fragt nach konkreten vergangenen Situationen
- Benefits: Verkauft auch ihr euch - der Kandidat hat die Wahl!
- Beobachterfehler: Kennt eure Biases und steuert dagegen
- Rechtssicherheit: Im Zweifel: Nicht fragen!
Abschlussrunde
Frage an alle: Was nehmt ihr mit? Was werdet ihr ab dem nächsten Interview anders machen?
Fragen? Feedback? Meldet euch gerne!